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Burim Jusufi
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BaZ online 01.11.2008
Begeisterung über Musical "Hair"
Soviel Begeisterung gab es lange nicht mehr: Zuschauer zwischen 8 und 80 Jahren verdankten im Theater Basel den 40 Jahre alten Musical-Dinosaurier «Hair» mit frenetischem Applaus.

Das Musical "Hair" feierte im Theater Basel auf der Grossen Bühne Premiere. (Foto Theater Basel)
Zunächst aber wähnte man sich im falschen Film: Auf der Bühne stehen ein Designersofa, ein Weihnachtsbaum und ein Kinderbett, das meiste in Bonbonrosa. Auf tritt ein älteres Ehepaar mit Enkelin und spielt Bescherung. Wie soll da der Stamm der verjästen, bekifften, rebellischen «Hair»-Gammler reinpassen?
Sie sind schon drin. Aus dem Hippie-Pärchen Claude und Sheila ist nämlich - wie aus den meisten 68ern - eine gutbürgerliche Kleinfamilie erwachsen. Mit einem pikanten Geheimnis: Die kleine Georgia hatte noch einen zweiten Opa, weil ihre Oma in ihrer Jugend das Gebot der freien Liebe befolgte. Gemeint ist Berger, der für Claude im Vietnamkrieg gefallen ist.
Spiesser besichtigen ihre Hippie-Vergangenheit
Der Krieg ist nicht das Einzige, was man dem Kind erklären muss. Und so rollt denn Regisseur Tom Ryser die alte Geschichte auf: Wie das Landei Claude vor seiner Musterung noch etwas erleben will in der Stadt, dabei im Park auf Bergers Hippie-Tribe trifft und dessen Philosophie der Freiheit und des Friedens kennenlernt.
Der Pazifismus ist das Thema, das an «Hair» noch am aktuellsten ist. Freie Liebe ist in Zeiten von Aids nicht mehr so angesagt, psychedelische Drogen sind entmystifiziert und rumgammeln tun heute Verlierer, nicht Rebellen.
Vielleicht ist es der Friedens-Aspekt, der Ryser und seine Kostümbildnerin Gabriele Kortmann dazu bewogen hat, die Blumenkinder ausnahmsweise weiss-beige einzukleiden. Vielleicht will er sie aber auch als unbeschriebene Blätter, als vom Ernst des Lebens unberührte Träumer zeigen. Beides passt - wie eigentlich alles in der Inszenierung.
Wesentlich zum umwerfenden Gesamteindruck trägt das Bühnenbild von Marion Menziger bei: Hebbare Wände, eine versenkbare Rampe und von den Sängern zwanglos umarrangierte Kübelpalmen verwandeln die Szene nahtlos in Park, Villa, Strand und Dschungel - mal postkartenbunt, mal pulverdampfdüster.
Mehrwert
Aber auch der Regisseur hat sich nicht einfach auf die garantierte Wirkung der zeitlosen Songs - von «Aquarius» über «Good Morning Starshine» und «The Flesh Failures» - verlassen. Er hat zum einen Galt MacDermots Originalmusik mit Anklängen an Bach, Reggae und Lambada versehen lassen. Zum andern hat er alles mit witzigen, spektakulären und berührenden Zutaten angereichert.
Umwerfend etwa, wie da ein Opernsänger der noblen Gesellschaft in Sheilas Elternhaus den skandalösen «Sodomy»-Song vorträgt; atemberaubend die Breakdance-Einlagen der Gebrüder Illjaz und Burim Jusufi; und schön dezent die Nacktbadeszene in gedimmtem Licht.
Fulminanter Schluss
Echt an die Nieren geht das Finale. Wir erinnern uns: Berger (Kai Hüsgen) vertritt Claude (Nikolaj Alexander Brucker) in der Kaserne, damit der endlich sein Schäferstündchen mit Sheila (Jennifer Caron) bekommt. Und ausgerechnet dann wird Claudes Truppe an die Front versetzt, samt dem militärisch unbedarften Berger.
Der fast 100-köpfige Chor, vorher je zur Hälfte in Hippiegewändern und 60er-Jahre-Chic, spielt in Army-Pelerinen das stampfende Heer. Einer um der andere fällt, um schliesslich in Zivil mit dem Song «Let the Sunshine in» den Saal zu verlassen. In die anschliessende Zugabe stimmten sogar ältere Semester mit ein. (je/sda)
Erstellt: 01.11.2008, 16:34 Uhr